Nachhaltigkeit

Was ist fairer Handel? Darüber kann man ganze Abhandlungen schreiben. Als Röster muss ich aber einfach Entscheidungen treffen, welche Kaffees ich auswähle. Da ich ein Mal im Jahr auf Kaffeeursprungsreise gehe, um verschiedene Anbauländer und -regionen zu besichtigen, die Arbeit auf Farmen kennenzuzlernen, fließt das in meine Entscheidung ebenso ein wie das Preisgeschehen an der Börse und die Auswirkung auf den Kaffeeanbau.

Vor dem Hintergrund habe ich mich gegen zertifizierten Rohkaffee (bio, Fair Trade, UTZ usf.) entschieden. Für jedes der Zertifikate muss auf der Produzentenseite zunächst eine Gebühr gezahlt werden. Dies können sich Kleinbauern nicht leisten. In Guatemala – wo ich 2016 war – beträgt die Gebühr fast ein Jahreseinkommen. 90% des Anbaus in diesem Land wird von Kleinbauern getragen. Die sind zudem durch die Fairtrade-Bestimmungen von der Zertifizierung ausgeschlossen. Nur Kooperativen erhalten die Möglichkeit. In Tansania – mein Kaffeereiseland 2018 – ist das Lohnniveau deutlich niedriger (600 USD pro Jahr) und die Zertifizierungskosten sind für einzelne Kleinbauern nicht zu stemmen. Einer meiner Kaffees etwa liegt um das Fünffache über dem Börsenpreis, Fair Trade zahlt – wenn der Börsenpreis eine bestimmte Grenze nicht übersteigt – zehn Prozent mehr als die Börse. 

Aus dem Grund sind mir drei Dinge wichtig:

Qualität des ausgewählten Rohkaffees, Transparenz über den Ursprung und gute Preise für gute Qualität.

Ein Beispiel dafür ist Harley Estate im indischen Karnataka. Die Farm habe ich 2017 besucht. Es gibt feste Unterkünfte für die Farmarbeiterinnen und Farmarbeiter. Familien haben kleine Apartments, für die Kinder gibt es eine Schule auf der Farm. Die Kaffeepflanzen stehen in Mischkulturen unter großen Schattenpflanzen. Neben Kaffee wird zum Beispiel auch Pfeffer, der als Schlingpflanze in den Wäldern wächst, geerntet. Die Qualität des handgepflückten Kaffees wird auf der Farm selbst in einem kleinen Lab getestet. Für mich einer der feinsten Kaffees, die ich in Indien verkostet habe. Als „New Noise“ sortenrein in der Espressotasse…